- Authors

- Name
- Phillip Pham
- @ddppham
On-Premises vs Cloud: Welches Kubernetes passt zu Ihrem Unternehmen?
TL;DR
Die Entscheidung zwischen On-Premises und Cloud Kubernetes hängt von drei Faktoren ab: Kosten (TCO über 3-5 Jahre), Team-Skills und Compliance-Anforderungen. On-Premises rechnet sich ab ca. 50 Nodes bei vorhandenem Ops-Team. Cloud (EKS, AKS, GKE) ist schneller produktiv und skaliert flexibel. Hybrid-Ansätze kombinieren beide Vorteile, erhöhen aber die Komplexität.
Die falsche Frage vermeiden
Die meisten Vergleiche starten mit "Was ist billiger?" -- das ist die falsche Frage. Die richtige lautet: Was können wir betreiben?
Ein Kubernetes-Cluster auf eigener Hardware aufzusetzen dauert 2-3 Tage. Ihn zuverlässig zu betreiben dauert ewig. Patches, etcd-Backups, Certificate Rotation, Node-Drains, Storage-Ausfälle -- das ist der Alltag, nicht die Installation.
Aufwand nach Betriebsmodell (pro Monat):
On-Premises Self-Hosted (kubeadm/k3s):
├── Cluster-Upgrades: 8-16 Stunden/Quartal
├── Node-Management: 4-8 Stunden
├── etcd Backup & Recovery: 2-4 Stunden
├── Certificate Rotation: 2 Stunden/Quartal
├── Hardware-Ausfälle: 4-8 Stunden (Ø)
├── Security Patches: 4-8 Stunden
└── Monitoring & Troubleshooting: 8-16 Stunden
Gesamt: ~40-60 Stunden/Monat
Managed Kubernetes (EKS/AKS/GKE):
├── Cluster-Upgrades: 2-4 Stunden/Quartal
├── Node-Group-Management: 2-4 Stunden
├── Security Patches: 2-4 Stunden (Nodes)
└── Monitoring & Troubleshooting: 4-8 Stunden
Gesamt: ~10-20 Stunden/Monat
Die Differenz sind 20-40 Stunden pro Monat. Bei einem internen Stundensatz von 100 EUR sind das 24.000-48.000 EUR pro Jahr -- nur für den Betrieb, ohne Hardware.
TCO-Vergleich: Die echten Zahlen
Ein realistischer TCO-Vergleich über 3 Jahre für einen mittelgroßen Workload (20 Nodes, 80 vCPUs, 320 GB RAM).
TCO 3-Jahres-Vergleich (20 Nodes, Production-Grade):
ON-PREMISES (eigenes RZ oder Colocation):
Hardware (Server, Storage, Netzwerk): 120.000 EUR
└── 20x Server á 6.000 EUR
Colocation / Strom / Kühlung (36 Monate): 54.000 EUR
└── 1.500 EUR/Monat
Netzwerk (Uplink, Firewall): 18.000 EUR
Software-Lizenzen (VMware/Ceph): 24.000 EUR
Personal (0.5 FTE Ops, 36 Monate): 180.000 EUR
└── 10.000 EUR/Monat (anteilig)
Setup & Migration: 30.000 EUR
───────────────────────────────────────────────────────
Gesamt On-Premises: 426.000 EUR
Pro Monat: 11.833 EUR
MANAGED CLOUD (EKS/AKS mit Reserved Instances):
Control Plane (36 Monate): 2.592 EUR
└── 72 EUR/Monat (EKS)
Worker Nodes (m5.xlarge RI 3y): 136.800 EUR
└── 3.800 EUR/Monat (20 Nodes)
Storage (EBS/Managed Disks): 25.920 EUR
└── 720 EUR/Monat
Netzwerk (Egress, LB): 43.200 EUR
└── 1.200 EUR/Monat
Personal (0.2 FTE Ops, 36 Monate): 72.000 EUR
└── 2.000 EUR/Monat (anteilig)
───────────────────────────────────────────────────────
Gesamt Cloud: 280.512 EUR
Pro Monat: 7.792 EUR
DIFFERENZ: 145.488 EUR (Cloud günstiger)
Diese Rechnung kippt bei größeren Setups. Ab ca. 50 Nodes wird On-Premises oft günstiger, weil Hardware-Kosten linear skalieren, Cloud-Kosten aber überproportional steigen. Außerdem: Reserved Instances binden Sie für 3 Jahre -- das ist auch eine Form von Lock-in.
Team-Skills: Der unterschätzte Faktor
Die beste Infrastruktur nützt nichts, wenn das Team sie nicht betreiben kann.
| Kompetenz | On-Premises | Managed Cloud |
|---|---|---|
| Linux-Administration | Zwingend erforderlich | Hilfreich, nicht zwingend |
| Netzwerk (L2/L3) | Tiefes Wissen nötig | Grundlagen reichen |
| Storage (Ceph, NFS) | Spezialwissen nötig | Nicht erforderlich |
| Kubernetes Core | Expertenwissen nötig | Solides Wissen reicht |
| etcd Operations | Zwingend erforderlich | Nicht erforderlich |
| Cloud-Provider APIs | Nicht relevant | Erforderlich |
| Terraform/IaC | Optional | Dringend empfohlen |
| Monitoring/Alerting | Komplett selbst aufbauen | Teilweise integriert |
| Mindest-Teamgröße | 2-3 Ops-Engineers | 1 DevOps-Engineer |
Für ein Team mit 1-2 DevOps-Engineers ist Managed Kubernetes die sicherere Wahl. On-Premises Kubernetes erfordert mindestens 2-3 dedizierte Ops-Spezialisten -- und die sind auf dem deutschen Arbeitsmarkt schwer zu finden.
Compliance und Datenresidenz
Für deutsche Unternehmen ist Compliance oft der entscheidende Faktor. DSGVO, BSI-Grundschutz, KRITIS und branchenspezifische Regulierung beeinflussen die Standortwahl.
# Compliance-Entscheidungsbaum als Pseudo-Config
apiVersion: v1
kind: ConfigMap
metadata:
name: compliance-decision
data:
decision-tree: |
frage_1: "Verarbeiten Sie personenbezogene Daten nach Art. 9 DSGVO?"
ja: "On-Premises oder EU-Cloud mit Auftragsverarbeitung"
nein:
frage_2: "Unterliegen Sie KRITIS-Regulierung?"
ja: "On-Premises oder BSI C5-zertifizierter Cloud-Provider"
nein:
frage_3: "Verlangt Ihr Kunde Datenresidenz in DE?"
ja: "Cloud mit Region eu-central-1 oder On-Premises"
nein:
frage_4: "Haben Sie ein Ops-Team mit K8s-Erfahrung?"
ja: "On-Premises oder Cloud -- beides möglich"
nein: "Managed Cloud (EKS/AKS/GKE)"
Wichtig: "Cloud" bedeutet nicht automatisch "nicht DSGVO-konform". AWS Frankfurt (eu-central-1) und Azure West Europe hosten Daten in der EU. Aber: Der CLOUD Act erlaubt US-Behörden theoretisch Zugriff auf Daten bei US-Anbietern, auch wenn die Server in der EU stehen. Für regulierte Branchen (Finanz, Gesundheit, KRITIS) kann das ein Ausschlusskriterium sein.
Alternativen: Deutsche Cloud-Provider wie IONOS, Hetzner oder STACKIT bieten Kubernetes ohne US-Jurisdiktion. Die Feature-Parität mit AWS/Azure ist geringer, aber für viele Workloads ausreichend.
Hybrid-Ansätze: Das Beste aus beiden Welten?
Hybrid Kubernetes kombiniert On-Premises und Cloud. Das klingt nach dem besten Kompromiss, erhöht aber die Betriebskomplexität erheblich.
Wann Hybrid sinnvoll ist
Burst-Szenario: Basis-Last läuft On-Premises, Lastspitzen werden in die Cloud ausgelagert. Typisch für saisonale Geschäftsmodelle (E-Commerce, Steuerberatung).
Daten-Split: Sensible Daten bleiben On-Premises, unkritische Workloads laufen in der Cloud. Erfordert klare Datenklassifikation.
Migrations-Phase: Übergang von On-Premises zu Cloud (oder umgekehrt). Hybrid als temporärer Zustand, nicht als Dauerlösung.
Wann Hybrid schadet
Wenn Sie kein dediziertes Platform-Team haben. Hybrid bedeutet: zwei verschiedene Infrastrukturen betreiben, zwei verschiedene Netzwerke verstehen, zwei verschiedene Storage-Systeme pflegen. Mit einem 2-Personen-Team ist das nicht nachhaltig.
Entscheidungsmatrix
| Kriterium | On-Premises | Managed Cloud | Hybrid |
|---|---|---|---|
| Time-to-Production | 4-8 Wochen | 1-2 Tage | 2-4 Wochen |
| Skalierbarkeit | Begrenzt (Hardware) | Nahezu unbegrenzt | Flexibel |
| Kosten < 30 Nodes | Höher | Niedriger | Am höchsten |
| Kosten > 50 Nodes | Niedriger | Höher | Mittel |
| Team-Anforderung | 2-3 FTE Ops | 0.5-1 FTE | 2-3 FTE |
| Datensouveränität | Maximal | Provider-abhängig | Differenziert |
| Compliance (KRITIS) | Einfach nachweisbar | Aufwendig | Mittel |
| Disaster Recovery | Selbst aufbauen | Integriert | Komplex |
| Vendor Lock-in | Keins | Mittel-Hoch | Niedrig |
| Innovations-Tempo | Langsam | Schnell | Mittel |
Empfehlung nach Unternehmensgröße
Startup / kleine Teams (< 10 Entwickler): Managed Cloud. Sie brauchen Ihre Entwickler für Features, nicht für etcd-Backups. EKS, AKS oder GKE -- je nach bestehender Cloud-Präferenz.
Mittelstand (10-100 Entwickler): Cloud mit Exit-Option. Nutzen Sie Managed Kubernetes, aber halten Sie Manifests portabel. Kustomize Overlays und Terraform-Module ermöglichen den Wechsel, wenn nötig. Details dazu im Vendor Lock-in Guide.
Regulierte Unternehmen (KRITIS, Finanz, Gesundheit): On-Premises oder deutsche Cloud-Provider. Die Compliance-Anforderungen wiegen schwerer als die Betriebskosten-Differenz. Alternativ: Sovereign Cloud Lösungen wie Kubernetes Private Cloud.
Großunternehmen (> 100 Entwickler, > 50 Nodes): On-Premises oder Hybrid. Ab dieser Größe rechnet sich eigene Hardware. Ein dediziertes Platform-Team (3-5 Personen) amortisiert sich über die geringeren Infrastrukturkosten.
FAQ
Ab welcher Cluster-Größe lohnt sich On-Premises?
Ab ca. 50 Nodes oder 200 vCPUs wird On-Premises kostenmäßig attraktiv. Voraussetzung: Sie haben bereits ein Rechenzentrum (oder Colocation) und ein Ops-Team mit Kubernetes-Erfahrung.
Kann ich später von Cloud zu On-Premises wechseln?
Ja, wenn Sie von Anfang an portabel arbeiten. Standard-Kubernetes-Manifests, Kustomize Overlays und IaC-Tools machen den Wechsel machbar. Die Daten-Migration ist typischerweise der aufwendigste Teil.
Wie hoch ist der Aufwand für ein Kubernetes-Upgrade On-Premises?
Pro Minor-Version (z.B. 1.29 auf 1.30) kalkulieren Sie 2-4 Tage für Test und Rollout. Bei Managed Kubernetes ist es ein API-Call mit 1-2 Stunden Monitoring. On-Premises kommen etcd-Upgrade, kubelet-Updates auf jedem Node und CNI-Kompatibilitätsprüfung hinzu.
Bieten deutsche Cloud-Provider echte Alternativen zu AWS/Azure?
IONOS Managed Kubernetes, Hetzner (k3s-basiert) und STACKIT bieten solide Kubernetes-Plattformen. Die Stärke: deutsche Jurisdiktion, DSGVO-Compliance ohne Diskussion. Die Schwäche: weniger Managed Services drumherum (kein RDS-Äquivalent, kleineres Marketplace-Ökosystem).
Was passiert bei einem Hardware-Ausfall On-Premises?
Bei korrektem Setup (3 Master-Nodes, Node-Redundanz) überlebt der Cluster einzelne Node-Ausfälle ohne Downtime. Kubernetes rescheduled Pods automatisch auf gesunde Nodes. Der ausgefallene Node muss manuell ersetzt werden -- das ist der Unterschied zur Cloud, wo Auto-Healing den Node automatisch neu provisioniert.
Fazit
Es gibt keine universell richtige Antwort. On-Premises gibt Ihnen Kontrolle und Kostenvorteile bei Skalierung. Cloud gibt Ihnen Geschwindigkeit und reduziert den Ops-Aufwand. Die Entscheidung hängt an drei Fragen:
- Haben Sie ein Ops-Team? Nein: Cloud. Ja: Beide Optionen offen.
- Brauchen Sie maximale Datensouveränität? Ja: On-Premises oder deutsche Cloud.
- Wie groß ist Ihr Setup? Unter 50 Nodes: Cloud meist günstiger. Darüber: On-Premises prüfen.
Egal wie Sie sich entscheiden -- halten Sie Ihre Workloads portabel. Die Anforderungen ändern sich, und ein Wechsel sollte eine geplante Migration sein, kein Notfall-Projekt.
Legacy zu Kubernetes migrieren?
Wir begleiten Ihre Migration von VMs zu Containern – ohne Produktionsausfall. Erfahrung aus 50+ Migrationsprojekten.
Kubernetes-Beratung gesucht?
Wir helfen deutschen Unternehmen bei der Kubernetes-Implementierung, Migration und Optimierung. DSGVO-konform und praxiserprobt.
📖 Verwandte Artikel
Weitere interessante Beiträge zu ähnlichen Themen
EKS vs AKS vs GKE: Managed Kubernetes im Vergleich
AWS EKS, Azure AKS und Google GKE im direkten Vergleich: Preise, Netzwerk, Features und DSGVO-Konformität für deutsche Unternehmen.
Self-Hosted Kubernetes AI Code Assistant: Ihr eigener Copilot für Datensouveränität
Entdecken Sie, wie Ihr Unternehmen mit einem selbst-gehosteten Kubernetes AI Code Assistant maximale Datensouveränität sicherstellt und Compliance-Anforderungen erfüllt. Profitieren Sie von Kosteneffizienz und maßgeschneiderter Coding AI als leistungsstarke Copilot-Alternative – ideal für deutsche Entwicklungsteams und den Mittelstand.
Cluster API: Kubernetes-Cluster deklarativ verwalten
Cluster API (CAPI) nutzen, um Kubernetes-Cluster deklarativ zu erstellen, zu upgraden und zu skalieren - mit praktischen YAML-Beispielen.
Terraform für Kubernetes: Infrastructure as Code
Kubernetes-Cluster und Ressourcen mit Terraform verwalten: EKS-Cluster erstellen, Deployments provisionieren und State sicher managen.
Spot Instances für Kubernetes: Kosten um 70% senken
Spot und Preemptible Instances in Kubernetes nutzen: Node Pools konfigurieren, Taints setzen und Workloads absichern mit PodDisruptionBudgets.