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- Phillip Pham
- @ddppham
TL;DR
Eine Kubernetes-Migration im Enterprise-Umfeld braucht Struktur. Analysiere dein Application-Portfolio mit einem Scoring-Modell, plane Migration-Waves nach Komplexität und Risiko, und starte mit unkritischen Workloads. Managed Kubernetes senkt den Einstieg, Self-Hosted gibt mehr Kontrolle. Team-Readiness ist der häufigste Engpass.
Kubernetes-Migration im Enterprise planen
Die meisten gescheiterten Kubernetes-Migrationen scheitern nicht an der Technik. Sie scheitern an fehlender Planung. Wer 200 Applikationen auf Kubernetes bringen will, braucht mehr als kubectl apply.
Hier ist ein Bewertungsscript für dein Application-Portfolio:
#!/bin/bash
# migration-assessment.sh — Schnellbewertung einer Applikation
APP_NAME=$1
echo "=== Migration Assessment: $APP_NAME ==="
# Prüfe ob Container-Images existieren
echo "Container-Image vorhanden?"
docker images | grep -q "$APP_NAME" && echo " ✓ Ja" || echo " ✗ Nein"
# Prüfe Abhängigkeiten
echo "Externe Abhängigkeiten:"
cat dependencies.json 2>/dev/null | jq ".\"$APP_NAME\".external | length" || echo " Datei nicht gefunden"
# Health-Check-Endpunkt vorhanden?
echo "Health-Endpunkt:"
curl -s -o /dev/null -w "%{http_code}" "http://$APP_NAME:8080/health" 2>/dev/null || echo " Nicht erreichbar"
Phase 1: Application-Portfolio-Analyse
Bevor du irgendetwas migrierst, brauchst du ein vollständiges Bild. Jede Applikation wird nach fünf Kriterien bewertet.
| Kriterium | Score 1 (niedrig) | Score 3 (mittel) | Score 5 (hoch) |
|---|---|---|---|
| Containerisierbarkeit | Monolith, Shared State | Teilweise stateless | 12-Factor App |
| Abhängigkeiten | Proprietäre Middleware | Standard-DBs | Nur APIs |
| Geschäftskritikalität | Kernprozess | Unterstützend | Nice-to-have |
| Team-Kompetenz | Kein K8s-Wissen | Grundkenntnisse | Produktionserfahrung |
| Infrastruktur-Reife | Kein CI/CD | Basis-Pipeline | GitOps-Ready |
Scoring-Regel: Applikationen mit einem Gesamtscore über 18 sind Quick Wins. Unter 10 bedeutet: erst Vorarbeit leisten.
Erfasse das Scoring strukturiert:
# migration-portfolio.yaml
applications:
- name: customer-api
scores:
containerisierbarkeit: 4
abhaengigkeiten: 3
geschaeftskritikalitaet: 2
team_kompetenz: 3
infrastruktur_reife: 4
total: 16
wave: 1
notes: "Bereits als Docker-Image verfügbar"
- name: legacy-billing
scores:
containerisierbarkeit: 1
abhaengigkeiten: 1
geschaeftskritikalitaet: 5
team_kompetenz: 2
infrastruktur_reife: 1
total: 10
wave: 3
notes: "Oracle-DB-Abhängigkeit, Session-State"
- name: internal-wiki
scores:
containerisierbarkeit: 5
abhaengigkeiten: 5
geschaeftskritikalitaet: 1
team_kompetenz: 4
infrastruktur_reife: 5
total: 20
wave: 1
notes: "Perfekter Kandidat für Wave 1"
Phase 2: Migration-Waves planen
Migriere nie alles gleichzeitig. Teile dein Portfolio in Waves auf.
Wave 1 (Monat 1-2): Stateless Services mit Score > 18. Geringstes Risiko, schnellste Ergebnisse. Hier lernt das Team.
Wave 2 (Monat 3-5): Services mit Score 14-18. Moderate Komplexität, eventuell Datenbank-Anbindung. Erste Persistent Volumes kommen ins Spiel.
Wave 3 (Monat 6-9): Komplexe Workloads mit Score 10-14. Stateful Sets, Legacy-Datenbanken, spezielle Netzwerkanforderungen.
Wave 4 (Monat 10-12): Alles unter Score 10. Hier muss vorab refactored werden — oder die Applikation bleibt auf VMs.
Nicht jede Applikation muss migriert werden. Manche gehören auf die Retain- oder Retire-Liste.
Phase 3: Managed vs. Self-Hosted
Die Infrastruktur-Entscheidung hängt von drei Faktoren ab:
| Faktor | Managed (EKS/AKS/GKE) | Self-Hosted (kubeadm/k3s) |
|---|---|---|
| Betriebsaufwand | Niedrig (Control Plane managed) | Hoch (alles selbst) |
| Kosten bei < 50 Nodes | Höher (Management-Fee) | Niedriger |
| Kosten bei > 200 Nodes | Niedriger (Skaleneffekte) | Deutlich höher |
| Compliance | Cloud-Provider-Zertifizierungen | Volle Kontrolle |
| Vendor Lock-in | Mittel bis hoch | Keiner |
Für die meisten Enterprise-Setups ist Managed Kubernetes der richtige Einstieg. Self-Hosted lohnt sich, wenn strenge Datenhoheit gilt oder spezielle Hardware (GPUs, FPGAs) im eigenen RZ steht.
Phase 4: Team-Readiness
Der technische Stack ist lösbar. Der Engpass ist fast immer das Team. Plan mindestens diese Rollen ein:
- Platform Engineer (ab Wave 1): Baut und betreibt die Kubernetes-Plattform
- DevOps-Enabler (ab Wave 1): Hilft Entwicklungsteams bei der Containerisierung
- Security Engineer (ab Wave 2): Network Policies, RBAC, Image Scanning
Ohne dediziertes Platform-Team wird die Migration zum Nebenprojekt — und Nebenprojekte scheitern.
# Team-Readiness prüfen: Haben alle kubectl-Zugang?
for user in $(cat team-members.txt); do
echo "Prüfe $user..."
kubectl auth can-i get pods --as=$user 2>/dev/null \
&& echo " ✓ $user hat Zugang" \
|| echo " ✗ $user braucht RBAC-Setup"
done
Risikominimierung
Drei Regeln für eine sichere Migration:
Parallel-Betrieb: Jede migrierte Applikation läuft mindestens 2 Wochen parallel auf der alten und neuen Infrastruktur. Traffic wird schrittweise umgeleitet.
Rollback-Plan: Für jede Wave existiert ein dokumentierter Rollback. DNS-Switch zurück zur VM dauert Minuten, nicht Stunden.
Monitoring first: Bevor die erste Applikation migriert wird, steht das Monitoring. Prometheus, Grafana und Alerting sind keine optionalen Extras.
FAQ
Wie lange dauert eine Enterprise-Migration?
Rechne mit 9-12 Monaten für 50-100 Applikationen. Die erste Wave dauert überproportional lang, weil Plattform und Prozesse aufgebaut werden. Ab Wave 2 beschleunigt sich alles.
Soll ich alle Applikationen migrieren?
Nein. Typischerweise bleiben 10-20% der Applikationen auf VMs — entweder weil sie bald abgelöst werden (Retire) oder weil der Migrationsaufwand den Nutzen übersteigt (Retain).
Was kostet eine Kubernetes-Migration?
Die Infrastrukturkosten sind selten das Problem. Der größte Posten ist Personalaufwand: Schulungen, Containerisierung, Plattform-Aufbau. Plane 2-3 Vollzeit-Engineers für 6 Monate als Minimum.
Brauche ich einen externen Berater?
Für Wave 1 ist externer Support sinnvoll — besonders beim Plattform-Setup und den ersten Deployments. Ab Wave 2 sollte das interne Team übernehmen können.
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